Ratgeber

Ölabscheider kaufen: Arten, Auswahl, Wartung und Kosten

Ob Autowerkstatt, Waschplatz oder Industrieanlage: Fallen ölhaltige Abwässer an, benötigen Sie einen Ölabscheider. Die technische Anlage trennt Öle und Fette vom Wasser, bevor dieses in die Kanalisation oder einen Vorfluter gelangt. Wir zeigen Ihnen, wie ein Ölabscheider funktioniert, welche Normen in Österreich gelten, worauf Sie beim Kauf achten und mit welchen Kosten Sie rechnen sollten.

Grund, Einsatz und Funktionsweise der Ölabscheider

Ölabscheider (auch Benzinabscheider oder Leichtflüssigkeitsabscheider) sind technische Anlagen, die Öle oder Fette vom Abwasser trennen. Sie verhindern die Kontamination der nachfolgenden Systeme und schützen so die Umwelt. Zum Einsatz kommen die Geräte immer dann, wenn Öle, Fette oder Kraftstoffe – sogenannte Leichtflüssigkeiten mit einer geringeren Dichte als Wasser – im Abwasser enthalten sein können. Typische Anwendungsfälle finden sich daher in:

  • Tankstellen
  • Waschanlagen
  • Waschplätzen
  • Industrieanlagen
  • Feuerwehrhäusern
  • Kfz-Werkstätten
  • Logistikzentren
  • Speditionsbetrieben

Aufbau und Funktionsweise einfach erklärt

Ein Öl- oder Benzinabscheider besteht aus einem Behälter aus Kunststoff oder Beton. Dieser lässt sich unter der Erdoberfläche installieren und zwischen die Abwasseranlage und die Kanalisation schalten. Strömt verunreinigtes Wasser ein, passiert es eine große Kammer. In dieser fallen schwere Bestandteile (Schlämme) nach unten, während Leichtflüssigkeiten wie Öl und Benzin nach oben aufsteigen. In mittlerer Höhe bleibt so eine relativ reine Schicht Abwasser, das anschließend über den Ablauf in die Kanalisation oder einen Vorfluter strömt.

Ein Schwimmer am Ablauf verhindert dabei, dass mit dem Abwasser auch Öl abfließt: Er schließt, wenn sich zu viel Öl über dem Wasser gesammelt hat. Ist der Abfluss zu und sammelt sich weiter Öl an, löst ein Sensor Alarm aus.

Verunreinigtes Abwasser – etwa von Waschplätzen oder Tankstellen – strömt über den Zulauf in die große Abscheidekammer.

In der beruhigten Kammer sinken schwere Schlämme zu Boden, während Öl und Benzin als Leichtflüssigkeiten nach oben aufsteigen.

Sammelt sich zu viel Öl an der Oberfläche, schließt der Schwimmer den Ablauf – ein Sensor löst zusätzlich Alarm aus.

In mittlerer Höhe bleibt gereinigtes Abwasser, das über den Ablauf in die Kanalisation oder einen Vorfluter strömt.

Müssen Sie besonders hohe Anforderungen erfüllen, empfiehlt sich eine Koaleszenzeinheit. Dabei handelt es sich um ein feines Gitter am Ablauf, an dem sich kleine Öltröpfchen sammeln. Sie verbinden sich zu größeren Tröpfchen und steigen dann gemeinsam auf. Gute Anlagen erreichen auf diese Weise einen Restölgehalt von weniger als fünf Milligramm pro Liter.

Um die Funktion des Abscheiders und die Qualität des Abwassers prüfen zu können, lässt sich nach dem eigentlichen Abscheider ein zusätzlicher Probenahmeschacht installieren. Dabei handelt es sich um einen Behälter mit offenem Durchlauf. Fachleute können die Flüssigkeit hier einfach entnehmen und auf ihre Bestandteile untersuchen.

Normen und Richtlinien schreiben Abscheider vor

Wenn Leichtflüssigkeiten im Abwasser vorhanden sein können, ist ein Ölabscheider vorgeschrieben. In Österreich ergeben sich die Vorgaben aus dem Wasserrechtsgesetz (WRG), aus den einschlägigen ÖNORMEN sowie aus den Kanalgesetzen der Bundesländer und den Kanalordnungen der Gemeinden. Betreiber sind verpflichtet, Anlagen so zu errichten, zu betreiben und stillzulegen, dass eine Verunreinigung der Gewässer nicht zu besorgen ist.

  • Wasserrechtsgesetz (WRG): regelt den Schutz der Gewässer vor wassergefährdenden Stoffen und die Rückhaltepflicht ausgetretener Stoffe.
  • ÖNORMEN & EN 858: Abscheideranlagen für Leichtflüssigkeiten werden nach ÖNORM bzw. der europaweit gültigen EN 858 ausgelegt, eingebaut und betrieben.
  • ÖVGW-Richtlinien: ergänzen den fachgerechten Umgang mit wassergefährdenden Stoffen und den Stand der Technik.
  • Landes- und Gemeindevorschriften: die Kanalgesetze der Länder und die Kanalordnungen der Gemeinden fordern eine bestimmte Abwasserqualität – welche Vorgaben konkret gelten, erfahren Sie bei der Bezirkshauptmannschaft bzw. beim Magistrat.

Bei Auslegung, Einbau und Betrieb sind die Anforderungen der EN 858 zu beachten. Diese europäische Norm spiegelt den aktuellen Stand der Technik wider und regelt sowohl die Nenngrößen als auch die Prüf- und Wartungsintervalle. Für die wasserrechtliche Bewilligung und Kontrolle ist in Österreich die Bezirkshauptmannschaft bzw. der Magistrat zuständig.

Ölabscheider kaufen: die Kriterien zur Geräteauswahl

Bei der Auswahl sind einige Punkte zu beachten. Neben der richtigen Auslegung kommt es auch auf eine passende Materialwahl an. Der Abscheider sollte die benötigten Komponenten besitzen und den einschlägigen Normen entsprechen.

Die richtige Baugröße nach Abwasseranfall

Die Baugröße hängt vom Abwasseranfall ab. Für höchstmögliche Sicherheit muss der Abscheider den maximalen Abwasserstrom bewältigen. Wie hoch dieser ist, richtet sich nach betrieblichen Gegebenheiten (Anzahl der Wäschen, Wasserverbrauch pro Wäsche, Tankinhalt und Ähnlichem). Sind Freiflächen über den Leichtflüssigkeitsabscheider zu entwässern, spielt zusätzlich die mögliche Niederschlagsmenge eine große Rolle. Auslegungshinweise geben die einschlägigen ÖNORMEN und die EN 858; auch die Sachbearbeiter der Hersteller helfen bei Auslegungsfragen.

Material: Kunststoff oder Beton

Grundsätzlich stehen Anlagen aus Beton sowie Kunststoff zur Auswahl. Welche zum Einsatz kommen, hängt von den örtlichen Gegebenheiten ab. Ist die Abwassermenge gering bis mittel oder handelt es sich um beengte Einbausituationen, sind kompakte und leichte Kunststoff-Ölabscheider die beste Wahl. Diese lassen sich leicht installieren und sind zudem korrosionsfrei. Bei Großanlagen oder wenn die Abscheider unter Fahrwegen sitzen und hohe Lasten tragen müssen, empfiehlt sich eher ein Stahlbeton- bzw. Betonabscheider. Diese punkten mit hervorragenden statischen Eigenschaften und gelten als sehr robust und langlebig.

Sinnvolle Komponenten und Zubehör

Neben dem Abscheider selbst sind weitere Komponenten erhältlich. Ob Sie diese ebenfalls benötigen, hängt von den örtlichen Gegebenheiten ab. Zu den wesentlichen Komponenten gehören:

  • Schacht-Abdeckung: Die Art hängt vor allem davon ab, ob der Ölabscheider begeh- oder sogar befahrbar sein soll.
  • Schlammfang: Ermöglicht die Absetzung schwerer Partikel im Abscheider und ist Pflicht.
  • Koaleszenzeinsatz: Ein Gitternetz über dem Ablauf, an dem sich kleine Öltröpfchen anlagern; sie verbinden sich und steigen nach oben in die Ölschicht auf. Der Restölgehalt sinkt damit auf unter fünf Milligramm pro Liter. Der Einsatz ist vor allem bei hohen Anforderungen erforderlich.
  • Probenahmeschacht: Ermöglicht das Beproben des Abwassers nach dem Abscheider. Dazu wird ein zusätzlicher Schacht mit offenem Durchlauf zwischen Abscheider und Abwassernetz geschaltet. Wichtig ist das für Prüf- und Protokollarbeiten.
  • Überfüllsicherung: Ein Sensor im oberen Bereich des Abscheiders, der den Füllstand überwacht. Steigt die Ölmenge über dem Wasser bedrohlich an, ertönt ein Alarmsignal.

Auch bei der Installation kommt es auf die örtlichen Rahmenbedingungen an. Beachten Sie das Platzangebot (Tiefe und Durchmesser), die geplante Verkehrsbelastung und die örtliche Abwasseranlage. Vor allem die Einleitungshöhe und das Gefälle zum Kanal spielen beim Einbau eine wichtige Rolle.

Wartung sichert zuverlässigen Betrieb: die Checkliste

Um die Abscheideleistung der Anlage auf Dauer zu gewährleisten, sind regelmäßige Prüf- und Wartungsarbeiten unerlässlich. So kommt es unter anderem darauf an, die Schlammmenge zu überprüfen, den Ölstand im Blick zu behalten oder das gereinigte Abwasser zu beproben. Was im Detail zu beachten ist, welche Arbeiten Sie selbst durchführen können und für welche Maßnahmen Fachbetriebe erforderlich sind, zeigt die folgende Checkliste.

Monatliche Eigenkontrolle (durch den Betreiber)

Jeden Monat sind Sichtkontrollen am Öl- oder Benzinabscheider erforderlich. Hier geht es vor allem um den Öl- sowie den Schlammstand und den Zustand der Anlage im Allgemeinen. Führen Sie folgende Arbeiten in Eigenkontrolle durch:

  • Schlammstand prüfen (z. B. mit Schlammspiegelmaßstab)
  • Ölstand kontrollieren (max. 80 % des Ölabscheidevolumens)
  • Fremdstoffe in Zu- oder Ablauf ausschließen (keine Verstopfungen)
  • Geruch oder Verfärbung beobachten (keine Auffälligkeiten gegenüber dem Normalfall)
  • Schacht und Deckel prüfen (dicht, intakt und befahrbar)

Halbjährliche Wartung (durch eine Fachfirma)

Alle halben Jahre oder nach Bedarf ist die Wartung durch eine zertifizierte Fachfirma erforderlich. Neben einer fachgerechten Untersuchung der Funktion kommt es dabei auch auf die Entleerung und Reinigung der Anlage an. Die Fachleute kümmern sich um folgende Arbeiten:

  • Schlammfang vollständig entleeren
  • Ölabscheider absaugen und reinigen
  • Koaleszenzeinsatz reinigen oder tauschen (wenn vorhanden)
  • Ölstandsmelder und Alarmanlage überprüfen
  • Funktion der Probenahmeeinrichtung kontrollieren
  • Dichtheit von Zulauf, Ablauf und Abdeckung prüfen
  • Schacht auf Funktionsfähigkeit überprüfen
  • Wartungs- und Prüfprotokoll erstellen

Fallen bei der Wartung Störungen oder Abnutzungen auf, sind auch kleinere Reparaturen möglich.

Generalinspektion alle 5 Jahre (durch einen Sachverständigen)

Der Ölabscheider erfüllt eine wichtige Funktion: Er soll die Umwelt vor wassergefährdenden Stoffen schützen. Um das zu gewährleisten, ist vor der Inbetriebnahme und danach alle fünf Jahre eine Generalinspektion Pflicht. Sachverständige erledigen dabei folgende Aufgaben:

  • Dichtheitsprüfung der gesamten Anlage
  • Funktionskontrolle aller technischen Bauteile
  • Prüfung und Dokumentation aller Betriebsunterlagen
  • Entnahme und Analyse einer Wasserprobe (wenn gefordert)
  • Inspektionsbericht mit optionalem Mängelschein ausstellen

Sollten im Rahmen der Generalinspektion Mängel am Leichtflüssigkeitsabscheider auftreten, leiten Sie unverzüglich deren Beseitigung ein. Das ist wichtig, um die Sicherheit der Anlage zu gewährleisten und den Abscheider weiter betreiben zu können.

Alte Ölabscheider stilllegen: So funktioniert es richtig

Benötigen Sie eine Anlage nicht mehr, weil Sie eine neue errichtet haben oder die Einrichtung künftig anders nutzen? Dann können Sie den Ölabscheider stilllegen lassen. So stellen Sie sicher, dass keine Gefahr mehr von der Anlage ausgeht. Sie sparen sich die regelmäßige Wartung und müssen auch die Kosten anstehender Generalinspektionen nicht mehr tragen.

Im ersten Schritt melden Sie das Vorhaben bei der zuständigen Wasserrechtsbehörde – in Österreich der Bezirkshauptmannschaft bzw. dem Magistrat. Dort erfahren Sie auch, ob eine spezielle Genehmigung erforderlich ist. Ist keine Genehmigung nötig oder wurde diese bereits erteilt, entleeren Fachleute den Abscheider zunächst: Sie saugen Öl und Schlamm ab, reinigen die Anlage von innen, stellen Entsorgungsnachweise aus und prüfen den Abscheider – sofern erforderlich – auf Dichtheit.

Im nächsten Schritt bauen Fachleute alle sensorischen Bauteile aus. Sie entfernen die Leitungen zum und vom Abscheider und heben diesen aus der Erde, sofern das möglich ist. Soll die Anlage aufgrund ihrer Größe oder des hohen Aufwands im Boden verbleiben, ist sie fachgerecht zu verfüllen. Hierfür kommt Sand oder ein anderes Fließmaterial zum Einsatz. Das sorgt für die nötige Statik und verhindert, dass Kunststoffabscheider nach dem Stilllegen aufschwimmen.

Ölabscheider kaufen: Kosten im Überblick

Wie viel ein Ölabscheider kostet, lässt sich nicht pauschal beurteilen. Denn die Preise hängen stark von der Ausführung, der Größe und den erforderlichen Komponenten ab. Die folgende Tabelle gibt einen groben Überblick:

Richtwerte – der genaue Preis hängt vom Einzelfall ab
LeistungRichtwert
Öl-/Benzinabscheider NS 3 bis NS 152.000 bis 10.000 Euro
Separater Schlammfang500 bis 3.000 Euro
Koaleszenzeinsatz, Alarmanlage und weiteres Zubehör300 bis 2.000 Euro
Einbau (Tiefbauarbeiten)3.000 bis 15.000 Euro
Generalinspektion (vor Inbetriebnahme und 5-jährig)200 bis 800 Euro alle 5 Jahre
Wartung300 bis 600 Euro pro Jahr
Gesamtkosten6.000 bis 30.800 Euro

Die Übersicht zeigt, dass die Kosten eines Öl- oder Benzinabscheiders der Nenngröße 3 bis 15 teils weit auseinanderliegen. Eine verbindliche Auskunft bekommen Sie daher nur mit dem individuellen Angebot einer Fachfirma. Bei Reinigung, Wartung und Stilllegung unterstützen Sie befugte Betriebe – einen Überblick über unsere Leistungen rund um Tank und Abscheider finden Sie hier, oder Sie nehmen direkt Kontakt mit uns auf.

In 2 Minuten zum kostenlosen Angebot

Regionale Fachbetriebe aus allen 9 Bundesländern – unverbindlich vergleichen.